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Reproduktionsmedizin

Die Methoden der künstlichen Befruchtung werfen rechtliche und ethische Fragen auf.

Paare mit Kinderwunsch suchen nach medizinischen Möglichkeiten, um doch ein Kind zu bekommen. Zuletzt wurden in Deutschland mehr als 20.000 Kinder pro Jahr nach einer künstlichen Befruchtung geboren. Das sind fast drei Prozent aller Kinder - Tendenz steigend.
Die verschiedenen Methoden der künstlichen Befruchtung werfen rechtliche und ethische Fragen auf. Eizellenspenden sind in Deutschland verboten, Embryonenspenden nicht. Doch die Grenze ist nicht so einfach zu ziehen. Juristen streiten über die Frage, ab wann die Befruchtung als vollendet gelten kann: Wann wird aus der Eizelle ein Embryo?
Der deutsche Gesetzgeber untersagte die Eizellspende, weil er das Kindeswohl durch eine sogenannte ‚gespaltene Mutterschaft‘ gefährdet sah. Sprich es gibt zum einen die Spenderin – und zum anderen die Frau, die die Schwangerschaft austrägt.
Bleiben nach erfolgreicher künstlicher Befruchtung sogenannte ‚imprägnierte‘ Eizellen im Vorkernstadium übrig, dürfen sie in flüssigem Stickstoff tiefgefroren werden. Ursprünglich sind diese so genannten Vorkernstadien also für das Spenderpaar selbst bestimmt. Falls es aber bis zur Schwangerschaft weniger Versuche der künstlichen Befruchtung braucht, als Vorkernstadien vorhanden sind, könnten diese gespendet werden. Taut man die imprägnierten Eizellen aus dieser Kryokonservierung wieder auf, können sie zu einem Embryo heranwachsen.
Nach in Deutschland geltenden gesetzlichen Regelungen (Embryonenschutzgesetz) darf ein Embryo auf eine Frau übertragen werden, von der die zu seiner Herstellung verwendete Eizelle nicht stammt, falls die Transferabsicht erst dann gefasst wird, wenn aufgrund abgeschlossener Befruchtung („Kernverschmelzung“) bereits ein Embryo vorhanden ist und der Embryo durch den Transfer vor dem Absterben bewahrt werden soll. Eine Eizelle, bei der noch keine Imprägnation erfolgt ist, dürfte demnach nicht auf eine Frau übertragen werden, von der die Eizelle nicht stammt. Da die Befruchtung der gefrorenen Eizelle nach dem Auftauen abgeschlossen wird, sprechen manche Juristen jedoch von einer erlaubten Embryonenspende.
Der Fall der gefrorenen Eizellen wirft also größere Fragen auf: Wie will die Gesellschaft mit den Möglichkeiten der modernen Medizin umgehen? Und: Wie schwer wiegt dabei ein unerfüllter Kinderwunsch?
(Quelle: Deutschlandfunk 28.02.2019)